INTersectional APproach to the process of integration in Europe for survivors of human trafficking

Das Forschungsprojekt für Betroffene von Menschenhandel aus Nigeria und China startete im Januar 2019 und läuft bis Dezember 2020. Es wird vom Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der Europäischen Union kofinanziert.

Es zielt darauf ab, die Integration von nigerianischen und chinesischen Überlebenden des Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung zu verbessern und die derzeitigen Integrationssysteme effektiver zu gestalten. Langfristig wird das Projekt die Betroffenen befähigen, Hindernisse für ihre Integration zu überwinden. Durch die Einbeziehung eines kulturell sensiblen, opferzentrierten, intersektionellen Ansatzes zielt das Projekt darauf ab, dauerhafte Lösungen für die Integration von nigerianischen und chinesischen Drittstaatsangehörigen zu finden. INTAP zielt nicht auf die Schaffung eines neuen Integrationsprogramms ab, sondern darauf, es staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen zu ermöglichen, bestehende anzupassen oder neue, effektivere psychosoziale Integrationsprogramme zu konzipieren.
 
 
 

PROJEKTHANDBÜCHER: Darstellung der best practices und Lösungsansätze aus den Forschungsberichten

Es wurde ein Projekthandbuch zur INTAP-Studie erarbeitet, das auf den Ergebnissen aus dem vorangegangenen Forschungsbericht basiert. Das Projekthandbuch richtet sich an PraktikerInnen, die mit Betroffenen von Menschenhandel arbeiten und gibt Handlungsempfehlungen für individuell zugeschnittene Integrationsprogramme.

Lösungsansätze sind bspw.: Trauma-Schulungen für medizinisches Personal, interkulturelle Elternarbeit, Mutter-Kind-Sprachkurse, Lockerungen im Ausländerrecht, verbesserte staatliche Finanzierung. Das Handbuch geht auch auf spezifische Fähigkeiten ein, die für PraktikerInnen als Vertrauenspersonen unerlässlich sind: interkulturelle, interreligiöse, soziale und emotionale Kompetenzen. Zusammen mit den Maßnahmenvorschlägen bieten sie Ansätze, bestehende Programme zu optimieren und Betroffene in die Lage zu versetzen, sich in europäischen Mitgliedstaaten zu integrieren.

Das Handbuch ist nicht nur eine Orientierungshilfe für die Integration nigerianischer Menschenhandelsopfer, sondern auch eine Chance, Projektergebnisse auf die Integrationsarbeit mit Betroffenen aus anderen Ländern oder auf Migrantinnen anderer geschlechtsspezifischer Gewaltformen (z.B. Zwangsheirat) zu übertragen.

Das Projekthandbuch für chinesische Betroffene von Menschenhandel ist ab Ende November 2020 hier verfügbar.

 

FORSCHUNGSBERICHT zu Betroffenen aus Nigeria und zu Betroffenen aus China

Ziel der beiden Forschungsberichte: Chancen & Hindernisse in der Integration von SoT (Survivors of Trafficking)
Methode: Interviews mit SoT, Expert*inneninterviews, qualitative Inhaltsanalyse, Feldexpertise

Die qualitative Studie zu Nigeria wurde mit 35 Betroffenen, 18 ExpertInnen und zwei Fokusgruppen durchgeführt. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie sind die Rolle einer Vertrauensperson als größte Chance und die Rolle der Angst als größtes Hindernis für die Integration der SoT. Weitere Implikationen sind der Bedarf zusätzlicher staatlicher Finanzierung für geschlechtsspezifische und mutter-kindfreundliche, sichere Unterkünfte sowie auf Betroffene spezialisierte SozialarbeiterInnen und NGOs. Die Asylpolitik müsse angepasst werden, um von der Abschiebung von SoT abzusehen. Parallel dazu sollten die EU-Mitgliedstaaten zusätzliche Mittel für Antirassismus- und andere sozialpolitische Projekte freigeben, um Ausländerfeindlichkeit in der Gesellschaft entgegenzuwirken.

Der Forschungsbericht zu China zielt darauf ab, mehr Informationen darüber zu liefern, wie der Menschenhandel mit chinesischen Frauen nach Europa tatsächlich funktioniert und was die besonderen Herausforderungen für die Betroffenen sind. Ausgehend von einer umfangreichen Literaturrecherche konzentriert sich die Forschung einerseits auf qualitative Interviews mit Betroffenen und andererseits auf Expert*inneninterviews mit relevanten Behörden, spezialisierten NGOs und chinesischen Kultur- und Sprachexpert*innen. Abgesehen von Aspekten wie Sprache, Zugang zum Arbeitsmarkt, Aufenthaltsfragen oder der chinesischen Gemeinschaft erwiesen sich zwei Elemente dieser Forschung als herausragend: Der positive Einfluss einer so genannten Vertrauensperson und der negative Einfluss von Angst und Scham – letzteres als intrinsisches Element der chinesischen Kultur.

Weitere Infos auf unserer Internetseite www.intap-europe.eu