Definition: Was ist Menschenhandel?

Das sogenannte Palermo-Protokoll der Vereinten Nationen (UN) enthält die erste internationale rechtsverbindliche Definition von Menschenhandel.

Artikel 3 lit. a des Palermo-Protokolls1 definiert Menschenhandel als „Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung.“

Menschenhandel besteht demnach aus drei Elementen

  1. einer Aktion: z. B. Rekrutierung oder Beförderung von Betroffenen;
  2. unlauteren Mitteln: z. B. Täuschung, Manipulation, Einschüchterung, Zwang;
  3. Ausbeutungsabsicht, z. B. Ausbeutung der Arbeitskraft, sexuelle Ausbeutung, Ausbeutung zur Begehung von Straftaten, Ausbeutung zur Bettelei.
man beats woman
Gewalt gegen Frau

Das deutsche Gesetz zur Verbesserung der Bekämpfung des Menschenhandels, das am 15. Oktober 2016 in Kraft getreten ist, setzt die Richtlinie 2011/36/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. April 2011 zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer um.

Hiernach stellen eigentliche Menschenhandel (§ 232 StGB) und die ihm nachfolgenden Ausbeutungsformen schwere Straftaten dar.

Zu den im Gesetz genannten Ausbeutungsformen gehören:

  • Zwangsprostitution
  • Zwangsarbeit (Sklaverei, Leibeigenschaft, Schuldknechtschaft) und
  • Ausbeutung der Arbeitskraft (z.B. im Haushalt oder im Baugewerbe oder auch im Bereich der Bettelei oder Ausübung strafbarer Handlungen wie Diebstahl)
  • Organentnahme
Interiors of an abandoned mansion of Khvostov in gothic style, Lipetsk region
despairing shrug of woman

Indikatoren für Menschenhandel

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat eine Liste von Indikatoren erarbeitet, die auf Menschenhandel hindeuten. Die Indikatoren sowie zusätzliche Erklärungen finden sich HIER.

 

Quellen:

Vereinte Nationen (2005): Zusatzprotokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels, zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität (Palermo-Protokoll), online: https://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ar55025anlage2-oebgbl.pdf

Bundesministerium der Justiz: Gesetz zur Bekämpfung des Menschenhandels, online: https://www.bmj.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/Dokumente/BGBl_Menschenhandel.pdf;jsessionid=9620A0BACDFA033E356AB64CA3C11066.1_cid324?__blob=publicationFile&v=3