Wir sind glücklich und dankbar, dass unsere Abschlusskonferenz des EU-geförderten Projekts INTAP (Intersektionaler Ansatz für den Integrationsprozess in Europa für Überlebende des Menschenhandels) am 13. Oktober tatsächlich live in Karlsruhe stattfinden konnte! Wir waren mit etwa 100 Teilnehmenden vor Ort versammelt und haben unsere Projektergebnisse vorgestellt, spannenden Vorträgen zugehört und angeregte Diskussionen über den Kampf gegen Menschenhandel geführt. Auch ein Kriminaloberkommissar, eine Anwältin für Asylrecht und andere am Prozess der Hilfe und Unterstützung der Opfer von Menschenhandel beteiligte Personen waren mit dabei und haben mitdiskutiert.
Wir – national und international tätige Menschenrechts- und Frauenhilfsorganisationen und Wissenschaftler*innen – haben im Rahmen dieses Projekts die Integration von weiblichen Betroffenen des Menschenhandels aus Nigeria und China untersucht. Laut einer Datenerhebung der Europäischen Kommission über Menschenhandel von 2018 stellten nigerianische Betroffene die größte Gruppe Drittstaatsangehöriger dar. Chinesische Frauen und Mädchen bildeten die drittgrößte Gruppe. Aus diesem Grund haben wir uns in dem Projekt auf diese beiden Opfergruppen fokussiert. Im Mittelpunkt der Forschung stand die Frage nach den Chancen und Hindernissen für den Integrationsprozess der Betroffenen.

Forschungsergebnisse:
Für beide Gruppen (nigerianische und chinesische Frauen) besteht die größte Chance für eine gelungene Integration in dem Kontakt zu einer Vertrauensperson. Diese Vertrauenspersonen sind in den meisten Fällen Sozialarbeitende. Das Haupthindernis ist die Angst. Die erlebten Traumata und die Furcht vor Menschenhändlern und Gottheiten – Stichwort „Juju-Schwur“ – können eine lähmende Wirkung auf die Betroffenen haben.
Bei der Integration der chinesischen Frauen bildet der Mangel an Kenntnissen einer europäischen Sprache ein weiteres großes Hindernis. Auch der enge Kontakt zu Landsleuten hält sie oft von der Integration ab. Die Stigmatisierung von Frauen in der Prostitution und die enge Verbindung der chinesischen Gemeinschaft zum chinesischen Staat stellen eine große Gefahr für die Betroffenen dar. Beide Aspekte haben aber auch das Potential für eine Chance: Das Erlernen einer europäischen Sprache und das starke Bedürfnis nach Gemeinschaft können von großer positiver Bedeutung für die Integration der Chinesinnen sein.

Im Mittelpunkt der Kritik standen – auf Deutschland bezogen – die fast aussichtslosen juristischen Kämpfe für ein Bleiberecht der Menschenhandelsopfer, chronisch unterfinanzierte Beratungsstellen, nicht ausreichende Hilfsangebote für Betroffene und stark zurückgegangene Menschenhandelsprozesse. Die Kritikpunkte wurden auf der Konferenz beim abschließenden Podiumsgespräch aufgegriffen, mit dem Ergebnis, dass eine Veränderung der Gesetzeslage für Opfer von Menschenhandel unabdingbar ist.

Handlungsempfehlungen für Interessierte:
Neben dem Forschungsbericht haben wir auf der Konferenz ein Projekthandbuch vorgestellt, das auf den Ergebnissen des Forschungsberichts basiert. Darin werden zum Beispiel spezifische Schulungen für die Vertrauenspersonen aufgeführt und weitere Lösungsansätze, wie Trauma-Schulungen des medizinischen Personals, interkulturelle Elternarbeit, Mutter-Kind-Sprachkurse, Lockerungen im Aufenthaltsrecht und verbesserte staatliche Finanzierung beschrieben.

Beteiligte Organisationen:
Unser Bündnis Gemeinsam gegen Menschenhandel e.V. war am Projekt als Leadpartner beteiligt zusammen mit den Partnern: The Justice Project e.V., Herzwerk Wien, SOLWODI Deutschland e.V., Associazione Comunità Papa Giovanni XXIII (Italien) und der Wissenschaftler Simon W. Kolbe von der Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Die Forschungsberichte und Handbücher können auf der Projekt-Website in verschiedenen Sprachen angesehen und heruntergeladen werden: https://intap-europe.eu/materialien/?lang=de